Wut

Schon wieder ein Anruf vom Kindergarten oder der Schule, weil dein Kind geschlagen hat?
Du selber schon total angespannt und auf Eiern unterwegs, weil das Familientreffen ansteht und es quasi vorprogrammiert ist, dass dein Kind mit schlimmen Schimpfworten um sich werfen wird?
Kein Bock mehr auf die Blicke der anderen Eltern, weil dein Kind mal wieder explodiert ist?

Wut ist unglaublich anstrengend, manchmal sogar zerstörerisch und sie hinterlässt ein Gefühl der Hilflosigkeit. Die Wut ist ein Notfallprogramm deines Kindes. Dieses Notfallprogramm kann umgeschrieben werden, ehlrich!

 Warum weshalb wieso Wut – und was machen?

Es gibt einen Grund und eine Lösung dafür.

Wut hat viele Gesichter. Manche Kinder schlagen um sich, andere schreien und schimpfen, wiederum andere richten die Wut gegen sich selbst. Den meisten Kindern ist gemein, dass sie sich nach ihrem Wutanfall schlecht fühlen und sie nicht wissen, was da über sie kam.
Die Strategie, die vielleicht vorher von Kind und Eltern erarbeitet wurde, um den nächsten Wutanfall zu vermeiden, hat nicht gegriffen. Die Beteiligten sind frustriert und das Kind fühlt sich zudem beschämt, da es mal wieder „nicht richtig“ war.

Woher kommt die Wut und warum ist sie nicht in Griff zu kriegen?
Die Antwort ist recht einfach: das Kind ist in solchen Momenten tatsächlich ferngesteuert. Es regiert das Stammhirn und das logische Denken ist ausgeschaltet. Das Stammhirn, auch Echsengehirn genannt, ist der älteste Teil unseres Gehirns, den wir u.a. mit Reptilien gemein haben. Dieser Teil des Gehirns ist für unsere lebenswichtigen Reflexe wie Atmung und Herzschlag zuständig, über die wir nicht eine Sekunde am Tag nachdenken müssen.
Das Echsengehirn sorgt für unser Überleben, auch in vermeintlichen Gefahrensituationen. Sehen wir beispielsweise einen Ball aus den Augenwinkeln auf uns zufliegen, nehmen wir reflexartig die Hände hoch und ducken uns zusätzlich weg. Diese blitzartige Reaktion haben wir dem Echsengehirn zu verdanken. Ist Gefahr im Verzug, reagiert die Echse, ohne vorher das logisches Denken zu konsultieren.
Dieses logisches Denken ist im jüngsten Teil unseres Gehirns angesiedelt. Das sogenannte Großhirn, in Kindersprache gerne Professoren-Gehirn genannt, wird überbrückt, damit die Reaktion in gefährlichen Situationen in Sekundenbruchteilen erfolgen kann.

Wie reagiert die Echse auf Gefahr?

Wie alle Lebewesen hat sie drei Möglichkeiten: Kampf, Flucht oder Totstellen. Diese Handlungsmöglichkeiten lassen sich übersetzen in Wut, Vermeidung und über sich ergehen lassen.
Im Prinzip können Eltern froh sein, wenn ihr Kind einen Wutanfall bekommt oder wegläuft, denn beides sind aktive Reaktionen. Lässt das Kind hingegen etwas über sich ergehen, hat es resigniert und das Nervensystem ist in Erstarrung. Dennoch ist die Wut für das Kind anstrengend und natürlich nachteilig für das soziale Gefüge.

Aber was ist zum Beispiel an einem „Nein“ so gefährlich, dass Florian gleich hoch geht? Oder nur weil nicht das gespielt wird, was Lisa möchte, ist doch kein Grund, jemanden zu hauen.
Stimmt!
Nur weiß das die Echse leider nicht. Irgendwann gab es mal einen Moment, in dem die Echse Gefahr gewittert hat und auf Kampf umgestellt hat, um sich und sein Kind zu schützen. Die Echse lernt unglaublich schnell und verbucht diesen Trigger als Alarm und „merken für’s nächste Mal“. Da sie neben ihrer Schnelligkeit leider nicht sehr schlau ist, reflektiert und erkennt sie nicht, dass es nie eine echte Gefahr gab. Das Programm wird ab jetzt abgerufen, sobald der Alarm ertönt, komme was wolle. Und wenn die Echse mit fluchen reagiert, flucht auch dein Kind. Wenn die Echse um sich tritt, tritt auch dein Kind, usw. Aggressionsvermeidungsstrategien hin oder her.

Auch wir Erwachsenen haben unsere roten Knöpfe. Sind wir in der Öffentlichkeit, schaffen wir es eventuell, nur innerlich zu schäumen, aber unter der Oberfläche randaliert die Echse. Zu Hause kann es dann schon mal von unserer Seite her laut werden.

Was tun?

Kleine Anleitung aus dem Nähkästchen:

Setze dich mit deinem Kind in einer ruhigen Minute zusammen und findet gemeinsam heraus, was genau dein Kind wütend macht. Durch welches kleine Ärgernis geht der Alarm im Kopf los, der dann die Echse weckt und sie rot sehen lässt, weil sie denkt, es droht Gefahr? Sobald ihr das herausgefunden habt, frage dein Kind, wo im Körper sie die wachsende Wut spürt. Vielleicht fühlt es sich für dein Kind an wie ein brodelnder Vulkan im Bauch?

Als erstes ist es wichtig, dass dein Kind den Alarm im Kopf ausschaltet. Bitte dein Kind, kurz die Augen zu schließen und sich diesen Alarm, der vielleicht aussieht wie ein blinkendes Rotlicht, vorzustellen um ihn dann auszuschalten. Möglicherweise ist die Echse schon aufgewacht und rot angelaufen? Dann soll dein Kind sie ganz liebevoll in Gedanken herausnehmen, sie in die Hand nehmen und anfangen, sie zu beruhigen. Es kann ihr sagen, dass alles nur ein Missverständnis ist. Klar ist es ärgerlich, wenn die Mama nein sagt, aber es ist nicht gefährlich. Dein Kind soll solange mit der Echse Zwiesprache halten, bis die Echse alles verstanden hat und sich wieder entspannt.
Sobald das erledigt ist, soll dein Kind mit geschlossenen Augen den brodelnden Vulkan aus seinem Körper ziehen und zum Beispiel im Klo runterspülen.
Diese kleine Abfolge könnt ihr ein paar Mal üben, indem dein Kind sich Situationen vorstellt, wie etwas ärgerliches passiert. Dann Alarm ausschalten, Echse beruhigen und anschließend das doofe Gefühl im Körper rausschmeißen.
Vielen Kindern helfen bereits diese Schritte, auch im echten Leben die Wut leichter unter Kontrolle bringen können.

Wer Unterstützung bei diesem kleinen Prozess braucht oder ihn etwas anschaulicher erklärt haben möchte, findet sie im Echsenreich.

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